Abstrakt oder Extrakt?
 
 
Natürlich ist es heutzutage gänzlich unmöglich, ernsthaft eine Landschaft zu malen. Genauso merkwürdig wäre es aber, niemals eine Landschaft in Betracht zu ziehen. Denn die eigene Phantasie fesseln, wäre für einen Künstler verhängnisvoll.
Was aber, wenn ein Maler seit Jahrzehnten abstrakt malt, seine nahezu programmatisch horizontalen Bahnen zieht und auf einmal feststellt, dass das Ergebnis nach einer kargen nördlichen, aber durchaus schönen Landschaft aussieht? Dann geht einem die ganze erlernte Kunstgeschichte gepaart mit den neusten Tendenzen der Kunst durch den Kopf und man fragt sich vermutlich: Habe ich etwas entdeckt? Oder ist dies die große Pleite?
Dann sucht der Künstler nach einer Notbremse und versucht dieses visuelle Phänomen rational zu erklären: Eine Horizontale ist bereits “landschaftlich”, ohne dass man es will. Schon Kandinsky wusste es! Und der war der Abstrakte überhaupt. Bin ich nun verloren oder gerettet? Werde ich von den Galeristen, den Kunsthistorikern oder den Künstlerfreunden verdammt oder bewundert? Heutzutage zweifelt man ja ständig an allem — der Zweifel gehört dazu. Nun, es kann beides passieren, und die Wahrheit ist, es passiert tatsächlich beides!
 
Nosch ist ein Maler mit zu viel Verstand, was für den Künstler schon mal ein Problem sein kann. Seine Rationalität lässt ihn ständig alles x–mal überprüfen bis das Ergebnis steht. Falls dann doch so etwas Unerwartetes passiert, wie die zwangsläufig landschaftliche Assoziation des Betrachters beim Anblick seiner zerfranzten, mehrschichtigen Bahnen, wird die Vorgehensweise überprüft: Zunächst hatte man sich der nichterwünschten Assoziation entledigen wollen, indem man das Format entsprechend wählte — Nosch machte jahrelang nur Hochformate. Doch nach einer Weile wollte man untersuchen, was zu gewinnen wäre mit einem Breitformat. Damit aber wurde die Assoziation “Landschaft” geradezu zur Absicht.
Erstmals ist die unerwünschte Assoziation entstanden, als Nosch im Atelier drei mittelgroße Hochformate gewissermaßen als Triptychon aufhängte. Der Schrecken beim Anblick der Reihe ging bis in die Knochen. Es sah bestürzend nach Landschaft aus. Der Berliner Kosmopolit und begnadeter Feuilletonist Victor Aubertin würde sagen: “So haben wir den Salat”. Die Wahrheit ist, dass die breitformatigen Arbeiten von Nosch ausgesprochen schön sind, genau so schön wie die Hochformate, nur dass eben die Assoziation “Landschaft” zu einem Teil des Konzeptes wird. Ist dies falsch oder sogar schädlich für Nosch, für uns, oder für die Kunst? Mitnichten! Es tut gut, überrascht zu werden, noch dazu auf eine so durch und durch ästhetische Weise. Die neueren Arbeiten von Nosch sind eindeutig seinem abstrakten Konzept entsprungen, nur dass die Veränderung des Formates einiges mehr als das Format ändert. Dem sei Dank!
 
Zdenek Primus, Prag, 2009
 
 
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Nosch — Transparenz der Farbe
 
Dr. Frank Schmidt, im Katalog “Szenenwechsel 03⁄04”, Museum für Konkrete Kunst, Ingolstadt

 
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The Process is the Message
 
Dr. Ilona Víchová, in the catalog to the exhibition “Nosch — paintings and works on paper”, brno–gallery, 2011

 

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